Das Projekt „Sexuelle Bildung für und mit gehörlosen bzw. gebärdensprachlich kommunizierenden Menschen – Entwicklung, Erprobung und Verstetigung eines kultur- und gebärdensprachsensiblen Weiterbildungskonzeptes“ zielt darauf ab, eine gravierende strukturelle Versorgungslücke zu schließen. Gehörlose Menschen haben bislang einen erheblich eingeschränkten Zugang zu barrierefreien Angeboten der sexuellen Bildung. Dies erschwert die sexuelle Selbstbestimmung und die wirksame Prävention sexualisierter Gewalt. Das Vorhaben begegnet diesen Defiziten durch die systematische Qualifizierung gehörloser pädagogischer Fachkräfte, um Barrieren abzubauen und das Recht auf Information und Teilhabe gehörloser Menschen nachhaltig zu stärken.
Die inhaltliche Ausrichtung des Vorhabens basiert auf einem zweigleisigen Qualifizierungs- und Sensibilisierungsansatz. Im Zentrum steht eine modular aufgebaute kultur- und gebärdensprachsensible Weiterbildung mit acht praxisorientierten Einheiten in Deutscher Gebärdensprache (DGS). In diesen qualifizieren sich gehörlose Teilnehmende zu Sexualpädagog:innen und setzen eigene Praxisprojekte in ihren Arbeitsfeldern um.
Parallel dazu konzipieren gehörlose Expert:innen eine spezifische Fortbildungseinheit für hörende Sexualpädagog:innen, um die allgemeine Fachlandschaft für die Deaf Culture zu sensibilisieren und für die besonderen Bedarfe gehörloser Menschen zu öffnen. Ein gemeinsamer Reflexionsworkshop führt beide Gruppen schließlich zusammen. Eine wissenschaftliche Begleitung durch taube Wissenschaftler:innen der Hochschule Landshut sichert die Qualität des Vorhabens.
Die Umsetzung gliedert sich in folgende Phasen:
- Konzeption der Weiterbildung
- zielgruppenspezifische Gewinnung der Teilnehmenden über Netzwerke innerhalb der Community gehörloser Menschen und in den entsprechenden Fachbereichen
- Erprobung des Weiterbildungskonzeptes
- abschließende Transferphase
Das Vorhaben wird von einem hörenden und gehörlosen multiprofessionellen Team des Zentrums für inklusive Bildung und Beratung (ZiBB e. V.) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sexualpädagogik und unter Einbindung von Gebärdensprachdolmetscher:innen umgesetzt.
Nach dem erfolgreichen Projektabschluss wird eine dauerhafte und ressourceneffiziente Verankerung der entwickelten Strukturen angestrebt. Die absolvierten Module bleiben als erprobtes Lehrkonzept langfristig nutzbar. Der neu geschaffene Pool qualifizierter gehörloser Multiplikator:innen kann sexualpädagogische Angebote künftig eigenständig umsetzen. Gleichzeitig wird die Fachlandschaft nachhaltig für gebärdensprachliche und kultursensible Ansätze geöffnet.
Foto: KI generiert